Gründung von sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung

Mit einem Workshop soll am 18. und 19. Oktober 2012 in Berlin die neue Zeitschrift sub\urban gegründet werden.

sub\urban ist eine neue wissenschaftliche Zeitschrift, die einen Ort für eine deutschsprachige, interdisziplinäre Debatte in der kritischen Stadtforschung schafft. Mit der Gründung von sub\urbanwerden primär zwei Ziele verfolgt: Austausch zwischen verschiedenen disziplinären Zugängen zu Stadtforschung zu fördern und Reflektionen darüber anzuregen, was in diesem Kontext Kritik bedeuten kann. Die Publikation von sub\urban erfolgt in deutscher Sprache, online und open access und reagiert damit nicht zuletzt auf Debatten um die Einschränkung der Zugänge und um die Rolle der Verlagshäusern in der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung.

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Wir bleiben alle!

WBA-Demo am 22.9. – Aufruf

Mittendrin statt außen vor.
Gemeinsam gegen Sozialabbau, Verdrängung und den Ausverkauf der Stadt! 
Für selbstbestimmte, selbstverwaltete, solidarische und unkommerzielle Räume! 

http://mietenstopp.blogsport.de/2012/08/22/wba-demo-am-22-9-aufruf/

 

Out of Balance – Critique of the Present

die Stiftung Bauhaus Dessau und die Zeitschrift ARCH+ loben gemeinsam einen internationalen Wettbewerb zum Information Design aus. Komplexe gegenwärtige Probleme wie zunehmende soziale Ungleichheit oder Benachteiligung,  deren Zusammenhänge und gesellschaftliche Sachverhalte sollen anhand von Daten visualisiert werden  – auf Basis des Informationsdesigns nach Otto Neurath.
Der Wettbewerb “Out of Balance – Kritik der Gegenwart” richtet sich an Gestalter aus den Bereichen Design,  Architektur, Fotografie, Bildende Kunst etc. sowie an Wissenschaftler der Fachrichtungen Kunst- und Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Ökonomie etc.
Auf Basis von empirischen Material sollen Visualisierungen gesellschaftlicher Sachverhalte entwickelt werden, die gegenwärtige Probleme zunehmender sozialer Ungleichheit, Benachteiligung und Ausgrenzung verdeutlichen.
Der Wettbewerb knüpft an das bildpädagogische Werk von Otto Neurath an. Mit seiner Methode der Bildstatistik entwickelte er effektive Formen der Umsetzung von Daten in Informationsgrafiken, die ein leichteres Erfassen gesellschaftlicher Verhältnisse und Prozesse erlauben.

Deutschlandfunk berichtet über unseren Aufruf

Deutschlandfunk berichtet über unseren Aufruf

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1831972/

 

Veranstaltungshinweis

 

Donnerstag, 21. Juni 2012, 19:00

Auferstandene Ruinen?
Die Entwicklung der Großsiedlungen in Ostdeutschland nach 1990
Marzahner Gesellschaftpolitisches Forum und Helle Panke e.V.

Nach der Wende gehörte die Bewertung der in industrieller Bauweise entstandenen Großsiedlungen zu den vielen deutsch-deutschen Kontroversen. Und so unterschiedlich die Einschätzungen des Werts der Großsiedlungen waren, so differenziert waren auch die Entwicklungen, die die einzelnen Siedlungen in den letzten 20 Jahren nahmen. In der Veranstaltung werden die Differenziertheit des Siedlungstyps aufgezeigt, unterschiedliche Bedürfnisse der Bewohner analysiert und entsprechende Handlungsstrategien skizziert.

Referent: Nico Grunze, Diplom-Geograph und Promotionsstudent an der Humboldt-Universität Berlin, hat sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema „Rückbau von sozialen Infrastruktureinrichtungen in der Großwohnsiedlung Marzahn“ befasst. Seit zwei Jahren verfolgt er sein Dissertationsvorhaben zu „Entwicklungsperspektiven ostdeutscher Großwohnsiedlungen“.

Veranstaltungsort:
Peter-Weiss-Bibliothek
Hellersdorfer Promenade 24
12627 Berlin

Exkursionspool Kritische Geographie Berlin

Berlin ist in den letzten Jahren nicht nur zu einer begehrten Destination von Tourist_innen und anderen Reisenden geworden, auch studentische und andere akademische Exkursionsgruppen, aktivistische Initiativen und sozial Bewegte aus dem In- und Ausland haben die Stadt als begehrtes Ziel ihrer historischen und gegenwartsbezogenen Interessen entdeckt. Oftmals sind diese Gäste allerdings auf die kommerziellen Angebote städtischer Reiseveranstalter, die konventionelle Unterstützung universitärer Kolleg_innen oder auf die eigenen, mitunter wenig informierten Zugänge angewiesen. Kritische Perspektiven auf die Stadtentwicklung Berlins und das Alltagsleben seiner Bewohner_innen scheinen hier bisher wenig vertreten oder verschwimmen hinter dem Wimmelbild Berlins als Stadt des Übergangs, der Kreativen, Alternativen und Migrant_innen. Eindrücke der zweifelsohne lebendigen Vielfalt der Stadt werden so auch für stadtthematisch Interessierte zum lediglich topologisch-touristischen Schaulaufen, ohne mit sozialen Kontexten und historischen Zusammenhängen der Stadt konfrontiert zu werden.

Wir, Mitglieder und Freunde des Netzwerkes kritische geographie berlin haben in den letzten Jahren selbst in unterschiedlichen universitären und aktivistischen Rahmungen Exkursionen, Wahrnehmungsspaziergänge und Ortserkundungen angeboten und durchgeführt. Dabei haben wir sowohl Erkenntnisse zum Charakter einzelner Orte in Berlin und Potsdam und deren Zugänglichkeit/Sichtbarkeit gesammelt, aber auch die konkrete Problematik aufsuchender Stadterkundungen und allgemeiner topologischer Konzepte in der Wissensvermittlung problematisiert.

Die Ergebnisse dieser Reflektion der Möglichkeiten und Grenzen stadträumlich bezogener Erkundungen als aufsuchende, lokalisierte Ansätze der kritischen Sozialforschung bündeln sich nun in der Initiative Exkursionspool der kritischen geographie berlin.

Wir starten daher in der zweiten Jahreshälfte 2012 den Versuch, unterschiedliche kritische Betrachtungsweisen auf die soziale, materielle und immaterielle Textur der Stadt, ihrer Konflikte und Akteure zu eröffnen und diese Perspektiven interessierten Besucher_innen als (Gruppen)Exkursionen anbieten.

Workshopreihe: Touristification in Berlin

Tourismus und Tourist_innen sind in aller Munde heutzutage in Berlin. Das Reden über sie füllt Zeitungsartikel und Kolumnen, Veranstaltungen und Kiezversammlungen. Zu lesen oder zu hören ist dann vieles: über ihren segensreichen oder zerstörerischen Einfluss auf die Stadtteile ihres Begehrens, die neuen Clubs, Cafes und Kneipen in denen nicht mehr deutsch, sondern vor allem Englisch oder Spanisch gesprochen wird, die steigenden Mieten und der sich verknappende Wohnraum, 11 Monate leerstehende Ferienwohnungen schwedischer Bildungsbürger_innen oder informelle Apartmentbörsen findiger lokaler Wohnungsbesitzer, der Boom der Spätverkäufe und die langen Schlangen vor den Museen der Hochkultur in der Stadt.

Tourismus in Berlin hat viel Gesichter und noch mehr Akteure, er wird kontrovers diskutiert, aktionistisch polarisiert und politisch adressiert. Oft verschwimmen dabei definitorisch die Grenzen zwischen Klassenfahrten und Tagestourismus in Gruppenreisen, Easy-Jetset, Hauptstadt- und Kulturtourismus, Konferenz- und Arbeitsmigration, temporäre  Aufenthalte ohne bekanntes Ende, …kurz: alle reden vom Tourismus und niemand weiß so richtig was damit alles gemeint ist und wo etwa andere Kategorien (Migrant_innen, Flüchtlingen, Teilzeitmobile und multilocals etc.) beginnen.

Der Arbeitsbegriff Touristification versucht diesem Definitionsdilemma (das damit auch ein Analysedilemma ist) zu entkommen, indem hier erweitert nicht nur die idealtypischen Touristen der Tourismusforschung, die Tagesgäste und Urlauber in den Blick genommen werden, sondern die vielfältigen Akteure im Prozess gegenwärtiger Reisebewegungen hier in die Stadt.   Touristification ist damit ein Konzeptbegriff der sich an vielfach unbekannten, schwer kategorisierbaren Akteuren sowie den Prozessen ihrer Entstehung sowie ihrer Ab- und Anwesenheit orientiert.  Wir haben diesen Begriff aber keineswegs selbst erfunden. Er geistert vielmehr als TouristificationTourismification (sic) oder eben als Touristifizierung seit mehreren Jahren in der Stadtforschungsdebatte (Foljanty/Kappus/Pfeiffer et al. 20061; Bhandari, 20082; Wöhler 20113) herum, scheint aber bisher eher phänomenologisch denn analytisch geprägt zu sein.

„Touristification beschreibt einen Prozess, durch den bis dahin touristisch wenig attraktive Stadtteile und Orte von Touristen entdeckt und für sie erschlossen werden. Es etablieren sich monostrukturelle Ökonomien, die den zahlungskräftigen Touristen alles bieten, was sie brauchen – Cafés, Bars, Supermärkte, Souvenirshops – aber die Bedürfnisse der Anwohner vernachlässigen (…). Die Geschichte der Stadt wird dabei ebenso vermarktet wie eine breit gefächerte Kulturlandschaft mit ihren Szenevierteln. Zu beobachten ist diese Touristification insbesondere in den Innenstadtbezirken Mitte und Prenzlauer Berg, zunehmend aber auch in Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln“. (von Borries 2011:161)4.

In dieser Definition bleibt es bei der Feststellung dass da wenig Attraktives erschlossen wird und sich monostrukturelle Ökonomien etablieren. Aber wie läuft dieser Prozess ab? Von wem – welche (politischen) Akteure, welche (ökonomischen) Interessen, welche Diskurskoalitionen – wird die Entwicklung voran getrieben? Und. Entsteht wirklich eine Mono-Struktur oder eher ein flexibles Gebilde zugeschriebener Coolness, jedoch mit geringer Halbwertszeit (Bsp. Clubs und Hostels)? Es ergeben sich also bei den vorliegenden Texten zunächst eher Fragen als befriedigende Erklärungen.

Auch in sozialräumlicher Perspektive sind Tourist_innen keine äußerlichen, auswärtigen  Konsumenten einer Stadt oder ihrer Stadtteile, touristischen Orten und Atmosphären. Sie produzieren vielmehr diese Räume (mehr oder weniger aktiv und bewusst) mit. Touristification ist daher auch der Name eines momentanen Zustandes, eines Produktes, eines temporäres Ereignisses der Inwertsetzung von Stadt(teilen) als touristischen Orten durch kapitalistische Alltagspraktiken. (Touristification of everyday life)

Charakter der Workshops:

Angestrebt wird eine vorstrukturierte, aber gleichzeitig möglichst offene Debatte, („niedrig schwellig und niedrig schwallig“), die von einzelnen Mitgliedern der kritischen geographie berlin vorbereitet und moderiert wird. Die Workshops Touristification gehen davon aus, dass das Thema (auch aus eigener touristischer Praxis) für alle Beteiligten an Erlebnis- und Erfahrungshorizonte anschlussfähig ist. Positionshierarchien und ‚good and evil’ – Polaritäten sollten dadurch zu bewältigen sein.

Als Ergebnis der Workshops wird – neben regen Debatten und Interaktionen – das Erstellen von Thesenpapieren der Diskussionsergebnisse angestrebt um daraus z.B. Aufsätze oder Artikel zu generieren.

Teilnehmen können alle Leute die wir über die Mailingliste ansprechen, sowie eingeladene Gäste, je nachdem ob es gelingt, Fördermittel einzuwerben (Helle Panke, Bildungswerke) wird sich die Gruppegröße anpassen müssen. (Maximal allerdings ca. 30 Personen).

Die inhaltlich-konzeptionelle Ausgestaltung und Dramaturgie der jeweiligen Workshops obliegt den jeweils verantwortlichen Organisator_innen. Die Einladung einzelner Gastreferent_innen wird angestrebt, ist aber vielleicht nicht für jeden WS zu gewährleisten oder möglich.

 

 

Themenschwerpunkte:

Daraus ergeben sich drei thematische Veranstaltungen:

  1. politische Ökonomie der Touristification
  2. Touristification – Steuerung, Akteure und Konflikte
  3. Touristische Alltagspraktiken

 

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Gefahrenzonen, Angstraum, Feindesland

Neuerscheinung

 

Thomas Bürk

Gefahrenzonen, Angstraum, Feindesland:

Stadtkulturelle Erkundungen zu Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus in ostdeutschen Kleinstädten

(Raumproduktionen: Theorie und gesellschaftliche Praxis Band 14)
2012 – ca. 330 Seiten – ca. € 34,90
ISBN: 978-3-89691-894-9

Ostdeutsche Kleinstädte gelten häufig als der idealtypische Ort für rechtsradikale Strukturen und deren Aktivisten. Thomas Bürk untersucht in seiner Studie den Umgang von Flüchtlingen, MigrantInnen und nicht-rechten Jugendlichen in Städten, die von einer rassistischen Dominanz geprägt sind. Die lokalen Aushandlungskonflikte um das „Recht auf Stadt“ manifestieren sich für diese Gruppen in einer spezifischen sozialräumlichen Topologie der Stadt – einer Machtgeographie der alltäglichen Bewegungsmöglichkeiten. Der kontingente Charakter dieser symbolischen Ordnungen der Städte verdeutlicht die Bedeutung und Wirksamkeit eines lokalen Engagements nicht nur gegen die Präsenz von Neonazis, sondern auch gegen Formen eines strukturellen Rassismus wie etwa der Residenzpflicht oder der Lagerunterbringung von Flüchtlingen. Die Untersuchung verbindet Zugänge der Sozialgeographie und der empirischen Kulturwissenschaften, in einer Forschungskonzeption zur lokal-spezifischen Kleinstadtkultur in Ostdeutschland.