2014: Gropiusstadt – Narrative eines Wohnviertels am Rande Neuköllns

gropiusSeit dem Bau 1962 ist die Großwohnsiedlung am Rande des ehemaligen West-Berlins verschiedensten Bedeutungszuschreibungen und Stigmatisierungen erlegen. Das in der Öffentlichkeit verhandelte Bild der Gropiusstadt bewegt sich meistens zwischen Architektur-Ikone und Hochhaus-Ghetto; zwischen Wohnmaschinenviertel und Entwicklungspotential.
Die Fertigstellung zögerte sich bis Mitte der 1970er Jahre hinaus, da die tatsächlich gebauten Wohnungen (18.000 für 50.000 Menschen, davon 90% Sozialwohnungen) die ursprünglichen Planungen weit überstiegen. In den anfänglichen Jahren waren viele Menschen froh, die innerstädtischen Altbau-Hinterhauswohnungen mit Ofen und Außenklo gegen eine modernisierte Wohnung mit Badewanne und Zentralheizung einzutauschen, doch bald darauf kamen kleine und große Mängel der Stadtplanung und Wohnungspolitik zum Vorschein. Insbesondere seit den 80er Jahren wird die Gropiusstadt immer wieder heftig als sozialer Brennpunkt diskutiert und kritisiert.
Heute sind etwa 50% der Bewohner_innen Menschen mit Migrationshintergrund (insbesondere türkisch, arabisch, polnisch, russlanddeutsch), der Altersdurchschnitt ist deutlich höher als in anderen Gebieten und die Kinderarmut liegt bei etwa 60%.
Insbesondere die negativ besetzten Bilder der Vergangenheit in Verbindung mit den herrschenden Vorstellungen von geringer Aufenthaltsqualität, Sozialschwäche und Kriminalität im Quartier rufen erneut die Stadtplanung und Architektur zur Hilfe, um die Gropiusstadt „fit für die Zukunft“ zu machen. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern die Narrative der urbanen Probleme mehr der Legitimation einer städtebaulichen und soziale  Umgestaltung dienen, als die Lösung der vorhandenen Herausforderungen zu befördern.
In Kooperation mit Naturfreunden e.V. Berlin. Kosten 2,50, Naturfreunde frei
Datum: 15.11.2014
Treffpunkt: U-Bhf:  Lipschitzallee
Zeit: 14.00 Uhr
Dauer: 2,5 Stunden
Ansprechperson: Sylvana Jahre