Workshop: New Urban Tourism: Berliner Orte der Touristifizierung zwischen Internationalisierung und Xenophobie

 KGB schwarz 200p26.Oktober 2013 (10:00- 17:00 Uhr)
Ort: babylonia e. V., Cuvrystr. 23 (2. Hinterhof), 10997 Berlin

 

Tourismus und Tourist_innen in Berlin werden zunehmend zum emotional aufgeladenen Gesprächsstoff. Das Reden darüber füllt Kolumnen, Veranstaltungen und Kiezversammlungen. Dort werden entweder segensreiche oder zerstörerische Einflüsse der Tourist_innen auf die Stadtteile ihres Begehrens festgestellt. Neue Clubs, Cafés und Kneipen in denen nicht mehr Deutsch, sondern vor allem Englisch oder Spanisch gesprochen wird, gelten als Beweise eines fundamentalen, tourismusinduzierten Wandels der Stadt. Steigenden Mieten und der sich verknappende Wohnraum werden mit Ferienwohnungen schwedischer Bildungsbürger_innen in Verbindung gebracht und informelle Apartmentbörsen findiger Wohnungsbesitzer sollen über eine Zweckentfremdungsverbotsverordnung politisch unterbunden werden.
Die sog. Touristifizierung Berlins hat also viel Gesichter und noch mehr Akteure. Es wird kontrovers diskutiert, aktionistisch polarisiert und politisch adressiert. Dabei können Phänomen und Prozesse ihrer Erzeugung kaum noch auseinandergehalten werden, verschwimmen definitorisch die Grenzen zwischen Klassenfahrten und Tagestourismus in Gruppenreisen, Easy-Jetset, Hauptstadt- und Kulturtourismus, Konferenz- und Arbeitsmigration, temporäre  Aufenthalte ohne bekanntes Ende, …kurz: alle reden vom Tourismus und niemand weiß so richtig, wer oder was damit alles gemeint ist und wo etwa andere Kategorien ( Migrant_innen, Flüchtlingen, Teilzeitmobile und multilocals etc.) beginnen. Diese gegenwärtigen Verwirrungen sind Grund genug, sich Prozessen und Akteuren hinter der phänomenologischen Oberfläche anzunähern und die Effekte touristischer Mobilitäten auf die Stadt (und umgekehrt) zu untersuchen.
Zu diesem Zweck möchten wir zu einem Tagesseminar über Touristification einladen. Der Workshop möchte die Komplexität des Tourismus-Phänomens aufgreifen und mit interessierten und auch (raum)theoretischen Fragen aufgeschlossenen WS-Teilnehmer_innen die unterschiedlichen Zugänge zur Thematik kritisch bearbeiten. Die Alltagsphänomene Tourismus und Touristification werden dabei von drei Referent_innen aus unterschiedlichen Perspektiven aufgegriffen und einleitend vorgestellt, um dann anhand konkreter empirischer Fallbeispiele in Arbeitsgruppen partizipativ und ohne Frontalvorträge bearbeitet zu werden.
Der WS versteht sich als Diskussions- und Bildungsforum eines nicht vor sozialer Komplexität zurückschreckenden WS-Publikums. Wir freuen uns auf eine angeregte Debatte und auf unterschiedliche Perspektiven zum Thema Tourismus in  Berlin.
Anmeldung bis zum 20.10. unter:  boerjesson@bildungswerk-boell.de