Exkursionspool Kritische Geographie Berlin

Berlin ist in den letzten Jahren nicht nur zu einer begehrten Destination von Tourist_innen und anderen Reisenden geworden, auch studentische und andere akademische Exkursionsgruppen, aktivistische Initiativen und sozial Bewegte aus dem In- und Ausland haben die Stadt als begehrtes Ziel ihrer historischen und gegenwartsbezogenen Interessen entdeckt. Oftmals sind diese Gäste allerdings auf die kommerziellen Angebote städtischer Reiseveranstalter, die konventionelle Unterstützung universitärer Kolleg_innen oder auf die eigenen, mitunter wenig informierten Zugänge angewiesen. Kritische Perspektiven auf die Stadtentwicklung Berlins und das Alltagsleben seiner Bewohner_innen scheinen hier bisher wenig vertreten oder verschwimmen hinter dem Wimmelbild Berlins als Stadt des Übergangs, der Kreativen, Alternativen und Migrant_innen. Eindrücke der zweifelsohne lebendigen Vielfalt der Stadt werden so auch für stadtthematisch Interessierte zum lediglich topologisch-touristischen Schaulaufen, ohne mit sozialen Kontexten und historischen Zusammenhängen der Stadt konfrontiert zu werden.

Wir, Mitglieder und Freunde des Netzwerkes kritische geographie berlin haben in den letzten Jahren selbst in unterschiedlichen universitären und aktivistischen Rahmungen Exkursionen, Wahrnehmungsspaziergänge und Ortserkundungen angeboten und durchgeführt. Dabei haben wir sowohl Erkenntnisse zum Charakter einzelner Orte in Berlin und Potsdam und deren Zugänglichkeit/Sichtbarkeit gesammelt, aber auch die konkrete Problematik aufsuchender Stadterkundungen und allgemeiner topologischer Konzepte in der Wissensvermittlung problematisiert.

Die Ergebnisse dieser Reflektion der Möglichkeiten und Grenzen stadträumlich bezogener Erkundungen als aufsuchende, lokalisierte Ansätze der kritischen Sozialforschung bündeln sich nun in der Initiative Exkursionspool der kritischen geographie berlin.

Wir starten daher in der zweiten Jahreshälfte 2012 den Versuch, unterschiedliche kritische Betrachtungsweisen auf die soziale, materielle und immaterielle Textur der Stadt, ihrer Konflikte und Akteure zu eröffnen und diese Perspektiven interessierten Besucher_innen als (Gruppen)Exkursionen anbieten.